„Eine wunderbare Kirche, die ihresgleichen innerhalb des Landes nicht findet. Diese Kirche ist auch schon wegen ihrer richtig getroffenen Proportionen ein Meisterwerk” – so charakterisierte der bekannte katholische Journalist László Possonyi im Jahre 1960 die Kirche. Dass diese Beschreibung wirklich zutrifft, glaubt man erst, wenn man die Kirche aus Richtung Szeged kommend erblickt und später betritt.
Die Kirche „Magna Mater Hungarorum” wurde zwischen 1901 und 1909 dank der Großzügigkeit von Baron Ferenc Gerliczy errichtet und fertiggestellt, aber bereits 1904 geweiht. Sie besitzt einen 35 m hohen Turm, wobei die Länge der Kirche 30 m beträgt, die Breite 9 m und im Querschiff 18 m. Im Heiligtum und in den Querschiffen erblickt man wunderbare neugotische holzgeschnitzte Altäre. Importe sakraler Kunst aus Tirol waren um 1900 in Ungarn und besonders in der Diözese Csanád und in ihrem damaligen Sitz Temeschwar keine Seltenheit, doch hebt sich die Deszker Ausstattung mehrfach positiv ab. Der Hochaltar ist eine hervorragende Arbeit. Obendrein handelt es sich bei dem Flügelaltar um einen Typus, der in der neugotischen Grödner Sakralkunst äußerst selten vorkommt. Vermutlich entsprach man bei der Wahl eines Flügelretabels dem ausgesprochenen Wunsch des Auftraggebers Franz Baron Gerliczy, der wohl an die große Tradition der gotischen Altarbaukunst Ungarns anknüpfen wollte.
Welche sind die wichtigsten Schätze der Kirche? Im Mittelschrein des neugotischen Flügelaltars – des Hauptaltars - erblickt man die bekannte Szene, in der der erste heilige König Ungarns, König Stephan I. die Krone seines Landes der über den wolken tronenden Gottesmutter anbietet und ihr das Volk in den Schutz empfiehlt. König Stephan trägt ein teures Königsgewand. Er ist ein braunhaariger Herrscher mit Bart. Neben ihm hält ein Engels ein Szepter und den Landesapfel – beide ungarische Königsinsignien. Die heilige Maria trägt das Kind Jesus auf dem Arm, während sie in der anderen Hand eine Blume hat. Ihr Gesicht strahlt eine zeitlose Ruhe aus. Sie hat auch eine verzierte Krone. Die Figur der Gottesmutter wird dadurch hervorgehoben, dass die Wolken eine silberne Farbe haben, wodurch das Gold noch mehr betont wird. An den beiden Rändern der beiden Szenen ist je ein Engel mit Flügel ersichtlich, die einen teuren Vorhang für einen Augenblick hochheben, welcher den Himmel und die Erde voneinander trennt. Nur in diesem Augenblick wird es dem frommen, betenden König erlaubt, die heilige Maria in Glanz und Herrlichkeit zu erblicken und die Geheimnisse des Himmels zu schauen. Das ist der Moment, wo Himmel und Erde für einen Augenblick aneinanderreichen.
In den beiden Skulpturennischen des Hochaltars ist je eine Figur eines Heiligen zu entdecken, die beide Schutzpatrone der Großgrundbesitzerfamilie Gerliczy sind. Auf den anderen Seiten des geöffneten Flügelaltars sieht man die Relieffiguren der heiligen Anna und Joachim, die in ihrer Schönheit um nichts hinter den inneren Szenen zurückbleiben. Auf den äusseren Flügeln sieht man die Erzengel Rafael und Michael.
Auf dem Tabernakel wurde eine bekannte Szene mit dem Pelikan dargestellt, die in der mittelalterlichen Kunst den Tod Christi auf dem Kreuz symbolisiert. Beiderseits des Tabernakels fanden zwei betende Tiroler Engelsfiguren – beliebte Motive der Grödner Bildhauer - Platz.
Auch die anderen beiden geschnitzten Nebenaltäre verdienen Aufmerksamkeit. Der eine wurde dem heiligen Joseph, und der andere dem Herz Jesu gewidmet. Die Kanzel erhielt dank Baron Gerliczy Kassetteneinlagen, wo Reliefs der Evangelisten und Kirchenväter zu sehen sind. Unter den Einzelskulpturen soll man auf den heiligen Antonius unter der Orgelempore unbedingt einen Blick werfen, der eine besonders reich geschmückte Überschrift bekam. Die wunderbaren Glasfenster der Pfarrkirche Deszk sind faszinierende Werke der renommierten Tiroler Glasmalerei und –mosaikanstalt aus Innsbruck, der der Baron einst persönlich einen Besuch abstattete.
Über die Stationsbilder wird erzählt, es wurde ein 85jähriger Innsbrucker Bildhauer gebeten, diese fertigzustellen, doch zögerte er sich wegen seines hohen Alters. Er hat dies aber doch geschafft – davon kann man sich in der Kirche überzeugen. Auch die Bethlehemsfiguren dürften wohl aus Tirol stammen. An den Bänken sind die beiden Wappen der Stifterfamilien zu sehen. In der Gruft sind drei Familienmitglieder beerdigt und auch das jetzige, in Amerika lebende Familienoberhaupt – Enkelsohn des Kirchenbauers - möchte dort beerdigt werden.
Die Namen der wichtigsten Stifter sind nur aus den Aufzeichnungen eines Kaplans bekannt, da die historischen kirchlichen Bücher leider verschollen sind. Zu den Wohltätern der Kirche gehörten u.a. Ministerpräsident Géza Fejérváry, der Schwiegervater von Ferenc Gerliczy, andere begüterte Familienmitglieder sowie deren Wiener Freunde. Ein Geschenk der Familie, ein goldener Kelch aus dem 15. Jahrhundert, befindet sich heute in einem Museum in Szeged.
Die pneumatische Orgel des aus Niederösterreich gebürtigen, in Temeschwar tätigen, bekannten Orgelbaumeisters Leopold Wegenstein kommt in der guten Akustik der Kirche gut zur Geltung. Er gehörte damals ebenfalls zu den Besten seines Berufes.
Auch der Erbauer der Kirche hatte damals guten Namen. Ferenc Sztarill aus Großwardein erwarb seine Urkunde als Baumeister in Budapest. Er hat für die Gerliczy in Großwardein mehrere prachtvolle Paläste erbaut, so gewann er das Vertrauen der Baronenfamilie und wurde auch mit dem Kirchenbau in Deszk betraut.
Die Kirche wurde 1989 dank Ferenc Nagy und seiner Gattin von aussen erneuert. In den letzten Jahren wurde auch das Dach renoviert. Seit einigen Jahren schlägt wieder die Turmuhr und abends ist auch die Kirche beleuchtet. Die erste, bebilderte Monografie über die Kirche wurde im Jahre 2004 zum Jubiläum herausgegeben.
Zsuzsanna Tóth
Kunsthistorikerin
Budapest